Marquis de Sade

Donatien de Sade
Marquis de Sade, eigentlich Donatien Alphonse François - Marquis de Sade, wurde am 2.Juni 1740 in Paris als zweites Kind des Grafen Jean-Baptiste-Joseph-Francois de Sade und seiner Frau Marie-Eleonore, geb. de Mai de Carman, geboren.
Der Vater entstammt einem provenzalisch-italienischen Geschlecht
aus Avignon und ist in höheren Positionen im Heeresdienst und im diplomatischen Dienst tätig. Die Mutter stammt aus einer Nebenlinie des königlichen Hauses von Bourbon und ist seit ihrer Eheschlies-
sung Gesellschaftsdame der Prinzessin von Condé.
Am 3. Juni wurde de Sade getauft.
Seine frühe Kindheit verbrachte de Sade im Schloss Condé in Paris. Mit 10 Jahren besucht er ein Jesuiten-Internat. Als er 14 ist, schickt ihn sein Vater in die Kavallerieschule der königlichen Garde. Der
junge Marquis wird Offizier und zieht mit seinem Heer nach Deutschland, um im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) zu kämpfen.
Bereits damals ist er maßlos in allem, was ihm Vergnügen bereitete. Er verliert Riesensummen beim Kartenspiel. Und er ist der perfekte Verführer: Die Mädchenherzen fliegen ihm zu. Auch in Deutschland hat er an jedem Ort Geliebte. Sein besorgter Vater lässt sich Berichte über das Verhalten seines Sohnes zuschicken. In einem heißt es: "Bei jedem Aufenthalt hinterlässt er Kummer. Sein junges Herz oder vielmehr sein Körper ist schrecklich schnell zu entflammen: Wehe den deutschen Mädchen! Ich werde versuchen, ihn an weiteren Dummheiten zu hindern."
Mit 22 Jahren hat der Marquis bereits sein ganzes Vermögen verschleudert.
Seine Eltern zwingen ihn zur Heirat mit der 22Jährigen Renée-Pélagie de Montreuil. Sie ist nicht schön und ziemlich plump. Er mag sie nicht, findet sie "zu kühl und zu fromm". Doch er nimmt sie trotzdem - weil ihm die Heirat ein sorgloses Leben ermöglicht: Seine Ehefrau ist reich, besitzt mehrere Schlösser. Sie liebt den Marquis abgöttisch.
Von nun an widmet er sich nur noch seiner exzessiven Lust.
Gleich nach den Flitterwochen mietet er sich ein kleines Haus - sein geheimes Liebesquartier. Hierher lässt er sich von Kupplerinnen junge Mädchen schicken - oft ein halbes Dutzend auf einmal. Er nimmt sich Dauer-Geliebte, die er großzügig verwöhnt. Bald ist er wieder hochverschuldet.
Am 29. Oktober 1763 wird er wegen ungesetzlicher Exzesse verhaftet. Vierzehntägige Internierung im Gefängnis von Vincennes. Freilassung auf Erwirken der Schwiegermutter mit der Auflage, das Schloss Échauffour, den Familienbesitz der Montreuils in der Normandie, nicht ohne Sondergenehmigung zu verlassen.
Sein Vater stirbt am 24.Januar 1767 in Montreuil bei Versailles.
Sein erster Sohn, Louis-Marie, wird am 27.August 1767geboren.

Zum ersten großen Skandal kommt es am Ostersonntag 1768. Rose Keller läuft in zerfetzten Kleidern durch die Stadt Arcueil und schreit, der Marquis habe sie töten wollen. Er hatte sie ein Dutzend Mal ausgepeitscht, bis sie fliehen konnte. De Sade wird festgenommen und eingesperrt. Er kommt aber
nach einem Monat wieder frei - weil seine Schwiegermutter sich für ihn eingesetzt hat. Trotz all seiner Eskapaden bleibt seine Ehefrau bei ihm. Sie verzeiht ihm alles - aus Angst, ihn zu verlieren.

Am 27.Juni 1769 wird sein zweiter Sohn, Donatien-Claude-Amand geboren. Geburt der Tochter Madelaine-Laure am 17. April 1771.

Die "Affäre der vier Mädchen aus Marseille": Im Juni 1772 reist der Marquis nach Marseille. Er nutzt seine Reise für ein Vormittags-Vergnügen: Ein Lakai organisiert 4 junge Prostituierte (gegen hohes Honorar). Zuerst werden in einer Kristallschale Pralinen gereicht, die mit Drogen gefüllt sind - sie sollen die Lust steigern. Dann beginnt die Orgie: Der Marquis peitscht die Mädchen mit einer neunschwänzigen Katze, dann lässt er sich selbst schlagen. Schließlich müssen die Frauen zusehen, wie er und sein Kammerdiener sich lieben. Doch am nächsten Tag sind zwei der Mädchen krank, sie rufen einen Arzt. Der überredet sie, Anzeige zu erstatten...
Des versuchten Mordes angeklagt, werden Sade und sein Diener Latour in Abwesenheit im Jahre 1772 zum Tode auf dem Schafott verurteilt. Sade flieht gemeinsam mit seiner Schwägerin, in die er sich Hals über Kopf verliebt, nach Italien. In Savoyen wird er jedoch verhaftet und eingekerkert. Nach einem geglückten Fluchtversuch kehrt er nach Lacoste zurück.

Am 14. Januar 1777 stirbt seine Mutter im Karmeliterinnenkloster

1777 ereignet sich die nächste Affäre: der "Skandal der kleinen Mädchen". Der Marquis verführt auf seinem Schloss 15jährige Mädchen. Die Eltern zeigen ihn an. Wieder kann er fliehen. Doch der König
hat einen Inspektor eingesetzt, der den Marquis sucht und schließlich verhaftet! Marquis de Sade
kommt in ein dunkles, feuchtes Verlies im Staatsgefängnis Vincennes - später in die Bastille.
De Sade wird am 4.Juli 1789 in die Irrenanstalt von Charenton, wegen revolutionären Verhalten, eingewiesen
Hier wird aus dem Sex-Strolch ein großer Literat.
Bei der Stürmung der Bastille am 14. Juli 1789 kommt der Marquis frei - aber viele seiner Schriften werden zerstört.
"Meine Manuskripte, meine Manuskripte - ich weine blutige Tränen. Betten, Tische und Kommoden waren zu ersetzen, Gedanken sind es nicht", schreibt er einem Jugendfreund.
Nach seiner Freilassung lässt sich seine Frau, die immer treu zu ihm gehalten hat, scheiden. Er hat bald wieder eine neue Geliebte(eine 28jährige), Marie-Constance Quesnet, mit der er bis an sein Lebensende liiert bleibt.
Er veröffentlicht seine Romane - anonym. In literarischen Zirkeln finden sie große Anerkennung, aber
die Öffentlichkeit ist empört. "Abseitigste und obszönste Phantasie", schreiben einige Zeitungen. Der Marquis streitet ab, der Verfasser zu sein. Doch bei einer Hausdurchsuchung werden in seiner Wohnung Manuskripte entdeckt.
Er wird am 6.März 1801 verhaftet und in das Staatsgefängnis Saint-Pélagie ohne Gerichtsurteil eingeliefert. Überführung in das Irrenhaus Charenton-Saint-Maurice in Paris. Hier verbringt er die letzten 11 Jahre seines Lebens...
Sade erlebt mit einem sechzehnjährigen Mädchen 1813 sein letztes Liebesabenteuer.
In seiner Todesnacht, 2. Dezember 1814,(er ist 74) ruft er einen katholischen Priester zu sich und schließt Frieden mit der Kirche, die er sein Leben lang gehasst hat. Er wird auf dem Anstaltsfriedhof beerdigt Tod de Sades.
In seinem Testament hatte er bestimmt: "Sobald das Grab zugeschüttet ist, sollen Eicheln gesät werden, auf dass später neue Bäume daraus keimen. Die Spuren meines Grabes sollen von der Erdoberfläche verschwinden, dass die Erinnerung an mich aus
dem Menschengeist ausgelöscht werden wird...

Der Marquis de Sade war ein verführerisch schöner Mann: dunkle Locken, Glutaugen, schlanke Gestalt. Er konnte charmant plaudern, war klug und witzig und ein hervorragen-der Tänzer. Doch sein hübsches, kultiviertes Äußeres trog: In seiner Seele loderten die größten Grausamkeiten und die perversesten Phantasien. Es bereitete ihm Lust, Frauen zu quälen. Er feierte brutale Orgien, bei denen er seine Liebhaberinnen fesselte und peitschte, bis ihre Körper voll blutiger Striemen waren.

"Ja, ich gestehe, ich bin ein Wüstling; alles, was man sich auf diesem Gebiet vorstellen kann, habe ich mir vorgestellt. Aber ich habe durchaus nicht alles getan, was ich mir vorgestellt habe... Ich bin ein Wüstling, aber ich bin weder ein Verbrecher noch ein Mörder."

De Sade vertrat die Ansicht, dass sowohl kriminelle wie auch sexuell ausschweifende Handlungen als natürliche Phänomene zu betrachten seien. Auf de Sade geht der Begriff des Sadismus zurück, der die Disposition von Personen charakterisiert, die sexuelle Befriedigung erlangen, indem sie anderen Schmerzen zufügen.

31 Jahre seines Lebens verbrachte er in Gefängnissen, Asylen und Irrenanstalten.

Seine als obszön geltenden Schriften wurden von seinen Zeitgenossen scharf kritisiert; deren Veröffentlichung war teilweise bis ins 20. Jahrhundert verboten.
Einer der ersten, der sich in diesem Jahrhundert mit de Sade auseinander setzte war Jean Paulhan von der
Académie Francaisean, der Mann der Pauline Reage zur ?Geschichte der O? inspirierte.
Baron des Schmerzes
Blutgräfin
Graf Dracula
Nostradamus
Rasputin